Monday, 4 March 2019

Kapitel 3 | Klang zu sein, ohne Anfang und ohne Ende - das ist mein Traum. | Klaviaturrock und rote Spitzenbluse vor der Trauerweide.



Erkenne dich, kenne mich.
Musik - ich sehe dich, begreife dich.
Ich sehe dich mit Farben in mir tanzen,
wenn Melodien ihre Bahnen ziehen.
Ich spüre dich in allen meinen Fasern, Poren.
Musik - nur du durchdringst mich ganz.
Führst mich zu neuen Ufern, 
zu neuen Formen meiner Seele -
lässt mich klingen und mein Herz.



Musik ist Gefühl - macht mich dunkel, macht mich licht.

Musik ist Gefühl, das man nicht ausdrücken kann. Ich sehe Musik.
Ich fühle sie in jeder Faser meines Körpers und meiner Seele.
Eine Harmonie, die mich berührt, kann Sturzfluten in mir auslösen und mich in meinen Grundfesten erschüttern, mich erinnern lassen an Gutes, und Schlechtes, an die Hoffnung und an das Verzagen.
Macht mich dunkel, und macht licht.







Die Odyssee. Die Reise. Die Ankunft.

Es gab Zeiten, lang vergangene doch nicht vergessene Zeiten, in denen ich das Dunkel in mir spürte. Und ich nährte es, durch das Zutun von den Geschichten, den Seelen und den Filmen, die dieses Dunkel kannten, es visualisierten, projizierten. Wissentlich gab ich mich dem hin und wissentlich schwamm ich in diesem Meer von Traurigkeit - wollte aber doch nur ein Meer aus Klang sein, in Musik aufgehen und in ihr verschwimmen, da nur sie mich glücklich machen konnte und ich mich nach diesem Glück sehnte. Trotz des wissentlichen Zutuns und Nährens der Dunkelheit in mir.

Durch all die Schwere in mir und um mich hat mich die Musik hindurchgetragen. Sie war Heilung und Zuneigung, die mir von meiner nächsten Umwelt fehlte. Half mir durch die Scheidung meiner Eltern in frühen Jahren, durch Vertrauensbrüche durch Freundinnen, durch die Jahre in der Diaspora, durch meine Sehnsucht nach der Welt und nach mir, durch Oberstufenstress und die langjährige Odyssee meiner Depression.
Half mir, mich zu ertragen - und die Welt.
War Inspiration zum Schreiben, half mir, mich auszudrücken - in Lyrik, in Prosa, in Liebesbekundungen. Gerichtet an ein (ir)reales Gegenüber. Gerichtet an mich ... zuletzt. In aller Ankunft.

Da war Landau, und Frankreich, und die Brücke ... Éclairs im Café und Regina Spektor und Beirut und ich, die ich immer mehr in mir versank und glaubte, allmählich unterzugehen. Immer auf der Suche nach Liebe, die ich immer im Außen suchte, aber nie in mir. Trotz all der Sonnen, die in mir leuchten. Ich sehe sie jetzt - ich fühle sie. Ich sonne mich in ihrem Glanz - aber damals konnte ich das nicht.

Da war Paris, und Krankenhäuser und Nächte voller Kummer und Florence + the Machine und ich, die ich kämpfte kämpfte kämpfte gegen die Dunkelheit und den Schmerz.

God help the girl hörte ich und dachte ... ja, man helfe dem Mädchen, denn es hat es so nötig. Und es half. Durch das Aufbrechen aus der alten Heimat in die Neue, das Verloren gehen und das Beenden von Dingen, die sowieso nicht für die Ewigkeit gemacht waren.

Setzte ich mich ans Klavier, war es immer ein Akt der Rebellion gegen dieses Dunkel. Ein Aufstand. Eine Emanzipation. Unbewusst half sie mir, mich zu transformieren. Langsam erkannte ich das Potential der Heilung, die von der Musik ausgeht. Langsam erkannte ich, dass auch ich diese Gabe besitzen wollte. Langsam erkannte ich, dass ich diese Gabe bereits habe.
Aber das schaffte ich nicht alleine.


Es benötigt oft Außenstehende, die einem dabei helfen, gänzlich zum eigenen Selbst zu finden.

In meinem Falle war es vor allem mein musikalisches Selbst, das durch Anraten Außenstehender zum Selbst-Bewusstsein erwuchs. Dafür werde ich ewig dankbar sein.
Ich bewahre alles in mir, wie einen Schatz. Alle Erfahrungen, alles Positive. Denn nichts ist gänzlich negativ.
Ich erinnere mich an die Zeiten, als ich meine ersten Songs vor 7 Jahren auf YouTube einstellte und mich verdammte für diesen vollkommen irrationalen Irrsinn, mein vollkommen inadäquates Werk in die Welt hineinzuspucken.
Jedes Mal, wenn ich ein neues Lied hochlud, klopfte mein Herz, mir war schlecht. Ich schämte mich. Ich fragte mich, was in mich gefahren war. Aber irgendetwas drängte mich doch immer, weiterzumachen.
Ich nannte zu Anfang nie meinen richtigen Namen, nur ein Synonym, da ich Sorge hatte, dass man mich sonst in den Weiten des Internets würde ausfindig machen können - und das bereitete mir Panik.

Und dann saß ich umnächtigt bei F., es war 3 Uhr in der Frühe, ich konnte nicht schlafen, war voller Zigaretten und Musik und meinem 5. Glas Four Roses und Panik und spielte die Video Games ein. Das Keyboard hörte ich zeitversetzt und es war eine Umstellung und es war Multitasking, da ich gleichzeitig ins Mikrofon sang. Ich kann nicht mehr sagen, wie viele Takes wir brauchten. Wir hörten das Endergebnis auf deinem Rechner an und ich konnte nicht fassen, dass ich mich so gut anhören konnte.
War das wirklich ich?

Und dann war da M., der mir sagte, dass ich die liebreizendste Stimme hätte, wenn ich mir die Seele aus dem Leib singe - immer, wenn ich mich unbeobachtet fühlte. Ich fühlte mich ertappt, beschämt, bewegt.

Und dann war da T., der anfing, meine Videos zu kommentieren, und sich wie ein roter Faden durch die Jahre 2014 bis 2018 zog - angefangen bei einem asiatischen Traum, den ich in meinem Innern hegte und der allmählich seine Blüte entfalten sollte. Er folgte mir, ich hörte mir seine Lieder an und war vollkommen eingenommen. "Deine Stimme klingt bezaubernd wie immer", schrieb er. Und dass ich die Kamera höher stellen sollte, damit man nicht die Vibration in der Aufnahme hört. Er sagte, er freute sich immer auf einen weiteren Song von mir, in welchem ich am Ende immer noch mal in die Kamera schaute, weil man zuvor nur meine Finger sah, wie sie über die Klaviatur strichen.

Ich traute mich an Cover von Regina Spektor und Camille, Ed Sheeran, Priscilla Ahn und Vienna Teng und God help the Girl, Tori Amos, Amy Winehouse, Katie Melua und Kat Frankie und diesen bewegenden Song aus La La Land, den ich immer mit den Lieben meiner Leben verbinden werde. Denn da entbrannte ich. Da loderte ich auf und meine Seele stand unter Feuer. Und dieses wird immer, immer, immer in mir weiterbrennen. Ich werde es nie vergessen.


"Wenn man so gut spielt wie du, dann lohnt es sich ein richtiges Mikrofon zu nehmen", sagt A., der selbst zaubert und mein Gott, wie er zaubert und ... und es wäre eine Schande, kein Mikrofon zu haben und ich weiß: ja, ich kann die Melodien klingen lassen und ich weiß, dass sie schön sind und klangvoll ... aber das aus seinem Mund klingt fast zu schön, um gut zu sein. Soll ich es wagen, den nächsten Schritt? Soll ich mutig sein und weiter diesen Traum leben, der seit Jahren immer greifbarer in mir wird? ... und ich höre die anderen Fleetwoods und habe das Bedürfnis in mir, all die Träume in mir zu vertonen, die seit einem Lange-schon und dem kurzen Immer-schon in mir wachsen und mich nicht schlafen lassen. Und ich schicke ihm eine Melodie die ihn nicht loslässt und nachhallt und etwas in ihm anrichtet ich will nicht, dass es das einzige ist, das ich in ihm anrichte.

Durch die Menschen, die lange oder kurze Zeit Teil meines Lebens waren, fand ich den Mut, sie auszudrücken:

Meine versteckte Wahrheit.

In der Musik war ich immer anders als ich es lange in meinem Innern war - frei fühlend und laut lebend.
Sie war meine versteckte Wahrheit - aber sie tritt immer mehr ans Licht.

Meine versteckte Wahrheit möchte ich nie wieder verschließen. Ich will sie in die Welt hinaussenden und ihr meiner Seele Klang und all ihre Farben zeigen. Das Gold und das Rot, das in mir blüht. Denn Klang zu sein, ohne Anfang und ohne Ende - das ist mein Traum.


Die Transzendenz der Musik.

Ich möchte die Transzendenz der Musik in die Welt tragen, sie aus der Welt in mich tragen und in mir spüren. Ist sie nicht etwas über-irdenes? Schaffen wir sie wirklich selbst?

Wer lenkt die Kraft der Harmonien - wer gibt sie in unsere Hände? Wer erschafft die Harmonien, die wir singen, die wir sind und die wir leben? Sind wir es, sind es die anderen? So oft höre ich eine Melodie, die mich in meiner Gänze erschüttert und erbeben lässt und ich mag kaum glauben, dass solch eine Kraft von einem Wesen erschaffen wurde, das irdisch, nicht jenseitig, nicht transzendent ist.





Spitzenbluse: Vintage (ähnlich hier, hier) | Klaviatur-Rock: Rosegal (Direktlink) | Tasche: Vintage (ähnlich hier, hier) | Baskenmütze: Vintage (ähnlich hier, hier) | Vinyl Boots: River Island (ähnlich hier, hier) | Strumpfhose: Falke (Direktlink) | Ring: via ebay.de (ähnlich hier) | Ohrringe: Chanel (ähnlich hier) | Lippenstift: Rouge Allure, Chanel (Direktlink) | Eyeliner: Zoeva (Direktlink)



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5 comments:

  1. ALso erstmal finde ich die Bluse richtig schön! Super schöner Look. Aber auch dein Text ist wirklich wunderschön geschrieben und an sehr vielen Stellen für mich auch so gut nachzuvollziehen! Ich finde deine Stimme auch super! ;)

    Liebste Grüße,
    Carmen von www.carmenschubert.com

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  2. Toller Beitrag! :)
    Musik spielt auch in meinem Leben eine unfassbar große Rolle & hat mich schon durch die dunkelsten Zeiten geführt.
    Ich wünsche dir auf deinem Weg nur das Beste! :)

    Liebe Grüße
    Vanessa

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  3. Ich finde den Rock total charmant. Für alle Musikliebhaber wirklich ein tolles Teil :)
    Liebe Grüße, Mona

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  4. Toller Beitrag und ein echt wunderschönes Outfit! ♥
    Die Musik hat mich auch durch schwere Zeiten gebracht.

    Liebe Grüße,
    Sweta

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  5. Wundervoller Beitrag und sehr schönes Outfit! ♥
    Die Musik hat mich auch durch schwere Zeiten gebracht.

    Liebe Grüße,
    Sweta

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