Monday, 2 December 2019

Kapitel 12 | In 36 Fragen zur Liebe - geht das? Ein Selbstversuch.



Gibt es ein größeres Mysterium als die Liebe? Seit Jahrtausenden beschäftigen sich Wissenschaftler, Philosophen und Lyriker gleichermaßen mit diesem Thema, das auch jeden einzelnen von uns bewegt, verwirrt, in den Wahnsinn treibt.
Wieso verliebt man sich gerade in gerade diese eine Person? Wieso feiern manche Paare ihre diamantene Hochzeit und warum kommen andere kaum über drei Monate hinaus?

"Es gibt nichts Schöneres als geliebt zu werden, geliebt um seiner selbst willen oder vielmehr trotz seiner selbst."
(Victor Hugo)

Das Aussehen bestimmt vielleicht, in wen man sich verliebt, aber ob man mit jemandem zusammen kommt (und bleibt) ist einer anderen Ebene geschuldet: Charakter, ähnliche Ansichten und eine tiefe emotionale Bindung und gegenseitiges Verständnis helfen dabei, die Langlebigkeit einer Beziehung zu festigen.



36 Fragen, die zur Liebe führen.

Der US-Psychologe Arthur Aron schien im Jahre 1997 ein "Rezept zum Verlieben" gefunden zu haben. Laut seiner Ansicht sollten sich wildfremde Menschen nach der Beantwortung von 36 bestimmten Fragen ineinander verlieben und auch zusammenbleiben können.
Die Wirksamkeit der Studie über "Die experimentelle Erzeugung zwischenmenschlicher Nähe" überprüfte er an Studenten und Studentinnen seiner Universität, die er durch das Zufallsprinzip in Zweiergruppen aufteilte und danach den Fragenkatalog durcharbeiten ließ.

Das Ergebnis: in der Tat verliebten sich alle Probanden-Paare ineinander. Manche heirateten gar ein halbes Jahr später.



Wie funktioniert es?

Das Liebesexperiment soll dazu führen, dass Intimität und Verbundenheit zwischen zwei vollkommen fremden Personen hergestellt werden kann. Die 36 Fragen, die man sich gegenseitig stellt, sollen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Sie bieten einen Einblick in die eigene Psyche und die des Gegenübers. Man wird verletzlich und nähert sich dadurch an.

Damit Liebe entstehen kann, müssen Gefühle und Emotionen aufgebaut werden. Hierfür benötigt es Vertrauen. Und dieses Vertrauen entsteht, in dem man sich dem Gegenüber öffnet.
36 Fragen reichen dabei aus, um auf verkürztem Wege den jeweils anderen kennenzulernen und einen tiefen Einblick in sein Leben zu bekommen.
Die Fragen werden einander gegenseitig vorgelesen. Danach müssen beide ihre Antworten geben. 

Anfangs sind es einfache und unterhaltsame Fragen. Doch mit jeder weiteren Frage öffnet man sich dem anderen immer mehr und geht immer weiter in die Tiefe. Intimität entsteht, die man nicht bewusst wahrnimmt.

Die Fragen sind in drei Bereiche eingeteilt, die emotional aufeinander aufbauen.

Deren Beantwortung dauert in etwa eine Stunde. Nach Beantwortung aller Fragen sieht sich das Paar vier Minuten lang in die Augen.
 



Warum funktioniert es?

Damit Liebe entstehen kann, braucht es keiner Übereinstimmung in Themenbereichen. Wichtig ist nur, dass man sein Herz öffnet, sich verletzlich zeigt. Dies erzeugt eine starke Bindung, die auf gegenseitigem Verständnis basiert. Sich selbst offenbaren, das ist das Geheimnis von Liebe - den anderen in sich hineinschauen lassen. Das bringt Menschen zusammen.



Die 36 Fragen:

  1. Wenn Du Dich für jede Person auf der Welt entscheiden könntest: Wen würdest Du als Gast zum Essen zu Dir nach Hause einladen
  2. Wärst Du gern berühmt? Wie würde das sein und wie wärst Du?
  3. Hast Du jemals geprobt, was Du sagen willst, bevor Du jemanden angerufen hast? Warum?
  4. Stell Dir Deinen perfekten Tag vor… Wie würde der aussehen?
  5. Wann war das letzte mal, dass Du einfach so für dich selbst gesungen hast? Und wann hast Du das letzte mal für jemand anderen gesungen?
  6. Stell dir vor Du wirst 90 Jahre alt. Wenn Du Dir aussuchen könntest, ob Du entweder den Geist oder den Körper eines (oder einer) 30-Jährigen für die letzten 60 Jahre behalten könntest… Was wäre Deine Entscheidung?
  7. Hattest Du schon mal eine Vorahnung, wie Du mal sterben wirst?
  8. Nenne drei Dinge, die Du und ich Deiner Meinung nach gemeinsam haben.
  9. Was ist es, für das Du in Deinem bisherigen Leben am dankbarsten bist?
  10. Wenn Du auf Deine Erziehung zurückblickst. Und Du heute etwas ändern könntest. Was würdest Du ändern?
  11. Nimm Dir vier Minuten Zeit und erzähle Deinem Partner die Geschichte Deines Lebens, so detailliert wie möglich.
  12. Stell Dir vor, Du würdest morgen mit irgendeiner neuen Eigenschaft oder Fähigkeit aufwachen. Welche hättest Du gern?
  13. Wenn Dir eine Wahrsagerin die Wahrheit über Deine Zukunft vorhersagen könnte, also alles was in den nächsten Jahren passiert. Was würdest Du wissen wollen?
  14. Was wolltest Du schon immer gerne machen, das Du noch nie getan hast?
  15. Was ist bisher der größte Erfolg Deines Lebens?
  16. Was ist für dich in einer Freundschaft das Wichtigste?
  17. Wenn Du Dir die schönsten Momente Deines Lebens vorstellst. Welcher Moment ist Deine schönste Erinnerung?
  18. Und da leider nicht immer alles gut läuft im Leben: Was ist Deine schlimmste Erinnerung?
  19. Stell Dir vor, Du wüsstest mit Sicherheit, dass Du in einem Jahr stirbst. Würdest Du etwas an Deiner Lebensweise ändern? Was und warum?
  20. Was für eine Bedeutung hat Freundschaft in Deinem Leben?
  21. Welche Rolle spielen Liebe und Zuneigung in Deinem Leben?
  22. Das ist eine Aufgabe an beide: Sagt euch abwechselnd, welche positiven Charakterzüge Euer Gegenüber hat. Jeder soll dabei 5 nennen.
  23. Hast Du das Gefühl, dass Deine Kindheit glücklicher war als die der meisten anderen?
  24. Wie ist die Beziehung zwischen Dir und Deiner Mutter?
  25. Jeder von Euch macht 3 wahre “Wir”-Aussagen. Zum Beispiel: “Wir sind beide in diesen Raum und fühlen uns…”
  26. Vervollständige den folgenden Satz: “Ich wünschte ich hätte jemanden, mit dem ich … teilen könnte.”
  27. Wenn Du mit Deinem Gegenüber eng befreundet sein wolltest, was wäre dann für ihn oder sie wichtig zu wissen?
  28. Sage Deinem Partner, was Du an ihm magst. Sei ehrlich und sage auch Dinge, die Du einer Person, die Du zum ersten Mal triffst, vielleicht sonst nicht sagen würdest.
  29. Erinnerst Du dich an einen extrem peinlichen Moment in Deinem Leben?
  30. Wann hast Du das letzte Mal vor einer anderen Person geweint? Wann hast Du das letzte Mal alleine geweint?
  31. Sag Deinem Gegenüber etwas, das Du jetzt schon an ihm oder ihr magst.
  32. Worüber sollte man keine Witze machen?
  33. Wenn Du heute Abend sterben würdest, ohne mit noch jemandem gesprochen zu haben. Was würdest Du bereuen, nicht gesagt zu haben? Warum hast Du das nicht schon vorher jemandem erzählt?
  34. Dein Haus, mit allem was Dir gehört, fängt Feuer. Nachdem Du Deine Liebsten und die Haustiere gerettet hast, bleibt Dir noch Zeit, um genau einen Gegenstand zu holen. Was würdest Du retten und warum?
  35. Der Tod welches Familienmitgliedes wäre für Dich am schlimmsten? Warum?
  36. Erzähle Deinem Partner von einem persönlichen Problem und frage, wie er oder sie mit dem Problem umgehen würde. Bitte Deinen Partner auch, zu reflektieren, wie Du gewirkt hast, als Du ihm von Deinem Problem erzählt hast.


Kann man sich in 36 Fragen verlieben? Ein Selbstversuch.

Ich wandle das Experiment etwas ab. Kann man sich in 36 Fragen verlieben - und zwar nicht in ein Gegenüber, sondern in sich selbst?
Kann man durch die Beantwortung von Arthur Arons Fragenkatalog näher zu sich selbst finden, sich selbst mehr wertschätzen?

Ich bin ein Mensch, der lange Zeit an falscher, negativer Selbsteinschätzung litt. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Dennoch ertappe ich mich manchmal dabei, mich in den alten, negativen Denkmustern wiederzufinden.

Deswegen nun also dieser Selbstversuch.
Ich werde den Fragenkatalog an mir selbst ausprobieren und die 36 Fragen der Reihe nach beantworten.

Werde ich am Ende einen besseren Zugang, ein tieferes Verständnis von mir selbst haben?
Seid gespannt.




Das Ergebnis:

Es ist jetzt kaum Zeit vergangen, nachdem ich mir die 36 Fragen selbst gestellt und beantwortet habe. Die Beantwortung erfolgte schriftlich, denn wie soll ich mit mir selbst ein Gespräch führen, außer schriftlich?

Die Beantwortung der Fragen kostete mich nicht, wie vorgesehen, in einem Gespräch mit einem Gegenüber, eine Stunde, sondern ein paar Stunden meines Nachmittags und den Rest des Abends. Es waren insgesamt ungefähr 6 Stunden.
Und sie haben sich gelohnt.

Vor allem bei Frage 11 habe ich nicht die 4 Minuten eingehalten, die in der Frage ausformuliert waren, sondern saß an dieser Beantwortung 1 ½ Stunden. Weil ich in einen Rede- bzw. Schreibfluss kam, den ich nicht aufhalten konnte.
Aber es geht nicht um die Länge der Beantwortung der Fragen. Es geht um deren Beantwortung, die ehrlich und aufrichtig und wahrheitsgetreu erfolgen muss.



Wo ich zuvor noch von Zweifeln geplagt wurde, die verschiedene Aspekte meines eigenen, jetzigen Gefühlslebens betrafen und nachdem ich am Samstag einen Film sah, der mich emotional aus der Bahn warf, da ich mir in einigen Dingen, die in mir und in meiner Seele und meinem Herzen schlummerten, bewusst wurde und nicht wusste, wie ich mit ihnen umgehen sollte, bin ich nun auf einer anderen Ebene angelangt.




Mir wurde bewusst, dass es Dinge gibt, die ich immer noch verändern muss. Dass es Dinge gibt, die ich mir wünsche und dass es Dinge gibt, die ich den Menschen, die in meinem Leben sind, sagen möchte, sagen muss, sagen will.
Dass es Dinge gibt, die ich nicht verändern kann oder muss. Dass das, was passiert ist, gut ist, so wie es ist, da es mich vorangebracht hat. Mich zu der Person gemacht hat, die ich heute bin. Weil ich sie positiv für mich selbst nutzen konnte. Weil ich sie überwinden konnte.

Ich wurde mir bewusst, dass diese Odyssee, diese Reise, auf der ich mich befinde und auf der ich mir selbst wieder (oder zum ersten Mal) nahe gekommen bin noch nicht abgeschlossen ist, aber ich auf einem guten Wege bin. Dass ich stolz sein kann auf das, was ich bisher erreicht habe und dass ich keine Angst zu haben brauche vor dem, was noch vor mir liegt.

Ich bin ein Mensch, der offen ist und sich öffnen kann und ich bin davon überzeugt, dass dies der richtige Weg ist.
Die Reise ist nie komplett abgeschlossen. Das Leben ist der Weg, auf dem ich mich befinde und die Wege, die ich eingeschlagen habe, sind die richtigen und sie werden es bleiben, wenn ich offen und ehrlich bin in dem, was ich tue, was ich fühle und was ich bin.
Und genau daran werde ich weiter festhalten.
Wo ich noch zuvor unschlüssig war und verängstigt, wo ich zuvor noch deprimiert war und nicht wusste, wie ich mich verhalten sollte … da weiß ich nun, wie ich weiter vorangehen muss.

 
Ich habe realisiert, dass ich den Menschen, die mir am nächsten und am wichtigsten sind genau das sagen muss, was ich in der Beantwortung der Fragen herausgefunden habe.
Und ich werde andere dazu ermutigen, sich ebenso zu öffnen.
Einige der Fragen musste ich etwas modifizieren, damit sie in diesem Selbstexperiment zu beantworten waren, denn mir fehlte das Gegenüber, in das ich mich verlieben sollte, denn mein Gegenüber war ich selbst.

Arthur Aron hat Recht.
Man kann sich wirklich in ein Gegenüber verlieben, durch die Beantwortung von 36 simplen Fragen, die man sich ehrlich und wahrheitsgetreu beantwortet.

Ich habe mich durch die Beantwortung ein Stück weit mehr kennengelernt und (erneut) gelernt, mich selbst wertzuschätzen als die Person, die ich bin.

Und ja! Nun wäre ich auch interessiert daran, dies mit einem Gegenüber zu versuchen.
Wer meldet sich freiwillig? :)

  

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